Bürgermeister Helmut Völkers aus Wiefelstede hielt bei der Sonnenwendfeier am 28. Juni 2006 in Conneforde die "Feuerrede"

Füürrede bi de Sünnenwendfier an’n 18. in’n Junimaand 2006 van Helmut Völkers, Bürgermeister van de Gemeend Wiefelstä in’t Ammerland

 

 

plattdüütsch

hochdeutsch

 

 

Een Füürrede wat is dat?

Dorför gifft dat kiene Vörgaben,jeedeen kann se anners holen un so vördrägen wie he dat geern much. Dat is dat besunnere an disse Upgaav.
Leewe Lüe, leewe Deelnähmer an disse Fier up`n Heinenbarg.
Vör mi is dat een groode Freid un ok een besunner Ehr, dat ik vandaag de Füürrede holen drööf. Ik much mi bie`n  Heimatvereen Connefoor van Harten bedanken; bedanken möt ik mi ok, dat de Heimatvereen woller disse Fier up de Beenen stellt hett.


In de Setten hett de Vereen sik to Upgaav mookt, dat Brukdom hoch to holen.
Un dorto hört de Sünnwendfier un de plattdüütsche Spraak.


All Lüe sind antoholen, sik för de plattdüütsche Spraak intosetten; egal of se de Spraak verstaht, snakt, lesen oder schrieben köön

Up de Vereensfahn is de Heinenbarg un ok de upgahnde Sünn to sehn. Ik bin denn Vereen dankbar för al är doon. Dankbar bin ik ok de Familie Möllenbarg, dat se in al de Johr`n woller ären Heinenbarg för disse öffentliche Fier to Verfügung stellt.

Wenn dat Füürrad in de Wapelnedderung daalrullt, is dat mit een groode symbolische Bedüütung för all de Minschen verbunden.

Lat se mi toerst een poor Wöör van us unendliche un wunderbare Sünnsystem verklaaren.

Wi snakt van de Sommersünnwende wenn de Sünn middags an`n höchsten öwer denn Horizont steiht. Un to glieke Tied steiht de Sünn up anner Siet van de Eer an`n leegsten.
Dar is dann de Wintersünnwende. Ganz wat besünners deiht sik an de Polarkreise; an`n  Nordpol is de Mittsommernacht ahn`n Sünn`nunnergang; un an`n Südpol hefft wi de Polarnacht, also kein Sünn`nupgang.

Wenn`er is nu hier bi us na de mitteleuropäische Tied genau de Sommersünnwende?

Middewäken, den 21.06.2006 um 14 Uhr 26,
Donnerdag, den 21.06.2007 um 20 Uhr 06
Un Sonnabend, den 21.06 2008 um 01 Uhr 59

De genaue Johreslänge at Sünnjohr sind 365,2422 Daag, just 365 Dag un knapp 6 Stunn`n.

För de gregorianische Kalenn`rform, wenn dat Jahr mit dat Schaltjohr utgläken; ward sünd wi dankbar. In de Schaltjohr`n  waard de Februar jo um een`n Dag verlängert.

Dat Schaltjohr kann de Tied aber nich vullständig utglieken. In`n Schnitt, dat heet mit`n Schaltjohr, is dat tatsächliche Sünnjohr, up`t Johr keken,  noch ümmer good 11 Minuten länger at dat Kalenn`rjohr. Hierto gifft dat noch vääle phenomenale Wirkungen natolesen.

Warüm vertell ik dat all`ns?  Ik much neeschierig maken um sik mit disse Saak mehr to befaten.

Nu aver, na den lüttjen Utflug in de Fachböker, to de Sommersünnwende torüch, so as se de Minschen vandag`n beläft un wahrnehmt. Mit de Sommersünnwende fangt de Sommer an, offgliek de Daag woller körter ward. De Minsch freut sik nich bloots up den Sommer, sünnern up alle Johrestieden. De unnerschedlichen Johrestieden heft är eegen watt, un de Minschen levt mit den Wessel tofreen. So meent wi, dat ständige Sünnwär up de Kanarischen Inseln is good un för us un erholsaam. Doch de Inselbewohner benied us to de düütlich verschääden Johrestieden. In`n Norden van Europa ward de Mittsommertied noch intensiever un bedüüdender fiert at bi us, un ok in`n Süden rund um`t Mittelmeer.

To de Sünnwendfier much ik noch wat to dat Füürrad sägen. Wohr is, dat de Minschen de Sünnwende mit Füür fieert hefft, wiel de Sünn doch ok ut Füür besteiht.

An disse Stäh is ok noch watt to dat düstere Güstern van us Land to sägen. Dat hett Lüe gäben un dat giff ümmer noch Lüe, de disse Fier nich richtig begrepen hefft un ümmer noch nich richtig begriept. Se hefft disse Traditionsfier grooden Schaden tofügt.

Dat is to hoopen, at de propagandistische Utnutzungsversöök een En`n hett..

Just so ward versöcht, de astrologische Faszination mit de heidnischen Bekenntnisse to verwesseln.
Hier geiht dat, klipp un klaar utdrückt, nich um Globensformen un ok nich um politische Fragen, sünnern um de Sünnwende und dat dormit verbunden Föhlen van de Minschen.

Ik bin den Heimatvereen Connefoor dankbar dorför, dat mit disse Veranstaltung wi Minschen all mit`n anner an de Wiede van dat Universum un de Kraasch van de Natur bedacht ward.

De gröötsde Schrieversman van de Weltlitratur, William Shakespeare, hett de berühmte Komödie: Sömmernachtsdroom 1595 schräben; se handelt van de Sömmersünnwende. Shakespeare wurd al dree Dag na de Geburt döfft.

Wi drööft us van al dat nich inwickeln laten. Dat geiht hier um Brukdoom un Tradition; um de Verbindung mit de Natur un darum, dat Föhlen mit de Naturgesetten  to fördern. Ok bi so vääl Hightech sünd de Naturgesetten van höhern Rang.

Ik much mal de Fraag  stellen, of de Naturgesetten heikler sünd at de neemoodschen Techniken?
Ik will darbi de neemoodschen Techniken up kienen Fall schlech maken un verdammen. Doch de Naturgesetten vorn an, wiel de neemoodsche Technik van Minschenhand entstahn is. Wi dröfft de Naturgesetten nich vergäten.
De Naturgesetten goht öwer usen Verstand herut.
Denkt wi bloß an de Wiede van us Welt. Ik glööv, dar schull`n wi nich so vääl öwer nadenken.
Nu to de Süün. Hefft wi to wenig Sünn, snakt wi van de englische Krankheit. Hefft wi to vääl Sünn kriegt, wi Sünn`nbrand up use Huut.
Ahn`n Sünn gifft kien Leven. Denkt wi an dat Gröön van`ne Blätter van de Planten; denkt wi an Dag un Nacht, denkt wi an de Kraasche van de Minschen mit de Schlaaptied in`ne Nacht, denkt wi an de Sünnfinsternis, denkt wi an de neemoodschen Photovoltaikanlagen up us Husdack usw. usw.

Disse List köönt wi noch wietermaken. All nu is de Bedüütung van de Sünn woll klar, ja sogar de Abhängigkeit van de Sünn.

Man seggt woll dat de Minsch een litjet Licht up disse Welt is. Ik glööw, bääter kann man de Bedüütung van de Sünn nich to`n Utdruck bringen.
Verhoolt wi Minschen us nu ok na de Naturgesetze?
Hier mööt an dat mindern van de Ozonschicht erinnert wird`n,un de Sünn kann dar woll nix an doon. De Minsch mokt mit sien Doon de Schutzschicht van de Eer minder.

Ik much hier vandagen kien`n Umweltbericht affgäven, much aver erinnern at dat so nich wieter geiht. Dar mööt gegenstüürt wird`n, un nich hüüt up morgen, sünnern mit us Wääten, wat wi doon köönt ohn`n us in de Existenz un Wirtschaftlichkeit to verutogaben.
Säker is dat lichter säggt at daan. Wi sünd alle bedrapen un upfordert wat to doon.

Wenn jemand säggt „kann ik nich“,denn is he de Broder van „will ik nich“.

Nu much ik to`n En`n koomen un tohoopfaten.

De hüütige Sommersünnwendfier hett eene groode Bedüütung un Wirkung un gribbt in us Leven in. Schließlich dreiht sik de Eer um de Sünn un nich annersrüm.

Ik wünsch mi, dat ik een paar Anregungen to`n Nadenken an jo wietergeven heff.

Uterdeem wünsch ik us all`n, dat de moie Weltmeisterschaftsstimmung in Düütschland noch lan`ng anhölt.

Us all`n wünsch ik all`ns Goode!

 

 

Eine „Feuerrede", was ist das?

Hierfür gibt es keine Vorgaben, jeder kann sie anders halten und so vortragen, wie er es gerne möchte. Das ist der besondere Reiz an dieser Angelegenheit.
Liebe Leute, liebe Teilnehmer an der heutigen Feier.
Für mich ist es eine große Freude und besondere Ehre, dass ich heute hier die Feuerrede halten darf. Ich möchte mich daher zunächst beim Heimatverein Conneforde hierfür recht herzlich bedanken; bedanken möchte ich mich auch beim Heimatverein für die Durchführung dieser Feier.

Nach der Satzung hat sich der Verein die Aufgabe gestellt, sich um die Erhaltung des Brauchtums zu kümmern. Unter anderem gehören hierzu die Sonnenwendfeiem und die Pflege der plattdeutschen Sprache.

Alle sind aufgefordert, sich für die Erhaltung der plattdeutschen Sprache einzusetzen; egal, ob sie diese Sprache verstehen, sprechen, lesen oder schreiben können.

Die Vereinsfahne bildet daher auch den Heinenbarg ab mit einer aufgehenden Sonne. Ich bin dem Verein sehr dankbar für all diese Aktivitäten. Dankbar bin ich auch der Familie Möllenberg, dass alljährlich wieder dieser Heinenbarg für diese Feier öffentlich bereitgestellt wird.

Wenn das Feuerrad gleich zur Wapelniederung hinunter rollt, ist hiermit eine große und vielseitige symbolische Bedeutung für die Menschen verbunden.

Lassen Sie mich zunächst einige Erläuterungen aus unserem unendlichen und faszinierenden Sonnensystem vortragen.

Bekanntlich sprechen wir von der Sommersonnenwende, wenn die Sonne mittags am höchsten über dem Horizont steht. Gleichzeitig steht auf der anderen Seite der Erde die Sonne am niedrigsten. Dort findet dann die Wintersonnenwende statt. Extreme Situationen kennen wir an den Polarkreisen; so die Mittemachtssonne an dem Tag ohne Sonnenuntergang oder am anderen Pol die Polarnacht (kein Sonnenaufgang).

Wann finden nun hier bei uns in der Mitteleuropäischen Zeitzone die Sommersonnenwenden ganz genau statt?

Mittwoch, 21.06.2006,14:26 Uhr

Donnerstag, 21.06.2007, 20:06 Uhr

Samstag, 21.06.2008, 01:59 Uhr

 

Da die tatsächliche Jahreslänge als Sonnenjahr 365,2422 Tage (also 365 Tage und knapp 6 Stunden) beträgt, sind wir für die gregorianische Kalenderreform mit Einführung des ausgleichenden Schaltjahres dankbar. In den Schaltjahren wird der Februar bekanntlich künstlich um einen Tag verlängert.

Das Schaltjahr kann aber nicht ganz oder vollständig ausgleichen. Im Schnitt, d. h. mit Schaltjahr, ist das tatsächliche Sonnenjahr jährlich immer noch gut 11 Minuten länger als das Kalenderjahr. Hierzu gibt es noch viele phänomenale Wirkungen nachzulesen.

 

 

Warum erzähle ich das alles? Ich möchte hiermit einen Anreiz geben, sich mit diesen Dingen mehr zu beschäftigen.

Nun aber nach diesem kleinen Ausflug in die Fachbücher zur Sommer-sonnenwende zurück, so wie wir sie heute empfinden und wahrnehmen. Mit der Sommersonnenwende beginnt der Sommer, obwohl die Tage wieder kürzer werden. Wobei wir Menschen uns nicht nur auf den Sommer freuen, sondern auf alle Jahreszeiten. Die unterschiedlichen Jahreszeiten wirken sich stimulierend aus und erhöhen das Wohlbefinden der Menschen. So finden wir z. B. das ständige Sonnenwetter auf den kanarischen Inseln als gut und erholsam; die Inselbewohner dagegen beneiden uns um unsere deutlich verschiedenen Jahreszeiten. Im Norden Europas wird daher auch die Mittsommerzeit noch kräftiger und bedeutender gefeiert als bei uns oder sogar in weiter südlichen Regionen (z. B. am Mittelmeer).

Zur Sonnenwendfeier möchte ich auch etwas zum Feuerrad sagen. Fest steht, dass seit je her die Menschen die Sonnenwende mit einem Feuer gefeiert haben; schließlich besteht die Sonne aus Feuer.

An dieser Stelle ist auch etwas zur dunkleren Vergangenheit unseres Landes zu sagen. Leider hat es Leute gegeben und gibt es immer noch Leute, die diese Feier nicht richtig verstanden haben oder immer noch nicht richtig verstehen. Sie haben dieser Traditionsveranstaltung großen Schaden zugefügt. Es ist zu hoffen, dass die propagandistischen Ausnutzungsversuche ganz von der Bildfläche verschwinden.

Ebenso wird leicht versucht, die astrologische Faszination mit der Beibehaltung von heidnischen Bekenntnissen zu verwechseln. Es geht hier, klipp und klar ausgedrückt, nicht um Glaubensformen und auch nicht um politische Fragen, sondern um die Sommersonnenwende und das damit verbundene Empfinden der Menschen.

Ich bin dem Heimatverein Conneforde dankbar dafür, dass mit dieser Veranstaltung wir Menschen alle miteinander an die Unendlichkeit des Universums und der Kraft der Natur erinnert werden.

 

 

Der größte Dichter der Weltliteratur, William Shakespeare hat die berühmte Komödie: Sommernachtstraum 1595 geschrieben; sie handelt während der Sommersonnenwende. Shakespeare wurde bereits drei Tage nach der Geburt getauft.

Wir dürfen uns von all den Dingen nicht beeinflussen lassen. Es geht hier um Brauchtum und Tradition; um die Verbindung mit der Natur und darum, die Empfindungen mit den Naturgesetzen zu fördern. Auch bei noch so viel Hightech sind die Naturgesetze von höherem Rang.

Ich erlaube mir einmal die Frage aufzuwerfen, ob die Naturgesetze komplizierter sind als die modernen Techniken? Ich will hierbei die modernen Techniken auf keinen Fall schlecht aufstellen oder sogar verdammen. Trotzdem handelt es sich um ein klares Ja, da die modernen Techniken „nur" von Menschenhand geschaffen worden sind. Wir dürfen also die Naturgesetzlichkeiten nicht vergessen.

Außerdem überschreiten die Naturgesetzlichkeiten das Verarbeitungsvermögen unseres Gehirns. Denken Sie hier nur einmal an die Unendlichkeit der Welt. Ich glaube, hierüber sollten wir nicht soviel nachdenken.

Nun zur Sonne. Haben wir zu wenig Sonne, sprechen wir von der englischen Krankheit. Haben wir zu viel Sonne, bekommt unsere Haut Sonnenbrand.

Ohne Sonne aber kein Leben. Denken Sie an das Blattgrün der Pflanzen; denken Sie an Tag und Nacht; denken Sie an die Leistungsfähigkeit der Menschen mit der Schlafzeit in der Nacht; denken Sie an die Sonnenfinsternis; denken Sie an die modernen Photovoltaikanlagen auf unseren Dächern usw. usw.

Diese Liste ließe sich noch weiter fortführen. Aber schon jetzt wird die Bedeutung der Sonne deutlich sichtbar; ja sogar die Abhängigkeit von der Sonne.

Wir hören schon mal die Aussage, dass der Mensch nur ein kleines Licht auf dieser Welt sei. Ich glaube, besser kann man die Bedeutung der Sonne nicht zum Ausdruck bringen.

Verhalten wir uns auch entsprechend? Natürlich muss die Zerstörung der Ozonschicht angesprochen werden und hier, meine Damen und Herren, trifft die Sonne nun wohl überhaupt keine Schuld. Der Mensch zerstört erwiesenermaßen die Schutzhaut der Sonne.

Ich habe hier heute keinen Umweltbericht abzugeben, möchte aber mit dazu beitragen, dass diese Situation mehr in das Bewusstsein gerückt wird. Es muss dringend gegen gesteuert werden, und zwar nicht aus extremen Positionen heraus, sondern mit wirtschaftlich Existenz haltenden Maßnahmen.

Sicherlich ist dieses leichter gesagt als getan. Alle sind wir jedoch betroffen und aufgefordert. Wenn jemand sagt „kann ich nicht", das ist dann der Bruder von „will ich nicht".

Ich möchte nun zum Ende kommen und zusammenfassen.

Die heutige Sommersonnenwendfeier hat eine große Bedeutung und Wirkung und greift erheblich in unser Leben ein. Schließlich dreht sich die Erde um die Sonne und nicht umgekehrt.

Ich wünsche mir, dass ich Anregungen zum Nachdenken geben konnte.

Außerdem wünsche ich uns allen, dass die schöne Weltmeisterschaftsstimmung in Deutschland lange anhält.

Uns allen wünsche ich alles Gute.

 

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