Friesisches Grenzsymbol bei Altjührden

Bis 1945 stand in Altjührden bei Varel in der Nähe des Hofes Klus-Eilers (heute an der Straße zwischen Almsee und Maschal-Möbel) ein alter Grenzpfahl.

Wahrscheinlich schon seit dem Mittelalter standen hier auf beiden Seiten der "Friesischen Heerstraße" in der kleinen Siedlung Clus oder Klus bei Altjührden, ca. sieben Kilometer südwestlich von Varel alte Eichenpfähle als Grenzsymbol.

Es darf angenommen werden, daß die Friesen seit ca. dem Jahr 600/700 im Land zwischen Ems und Weser ihr neues Wohngebiet besonders durch Eichenpfähle kennzeichnen wollten.

Das könnte erstmals nach 787 geschehen sein, wurde doch in jenem Jahr in der südfranzösischen Abtei Moissac bei Toulouse im dort verfassten "Chronikcon" ein Teil der friesischen Heimat als "Go Ruistri" bezeichnet. Die 1911 zur Stadt vereinten oldenburgischen Gemeinden Bant, Neuende und Heppens, das preußische Wilhelmshaven umgebend, erhielten den beziehungsreichen Namen "Rüstringen", der erst 1937 durch ein Reichsgesetz aufgegeben wurde. Als Aufstellungsjahr gilt auch 826, denn damals erhielt der aus seiner Heimat vertriebene Dänenkönig Harald Klak den friesischen Gau von Kaiser Ludwig dem Frommen als Lehen, das ihm jedoch später wieder aberkannt wurde.

Jedenfalls werden die "Friesischen Pfähle" in einem der "Ostfriesischen Urkundenbücher" von 1420 erwähnt.

Wie oft diese Grenzbezeichnungen infolge der Witterungseinflüsse erneuert werden mußten, ist unbekannt. Laut Auskunft des Bauern Gerd Eilers mußte der letzte "Pal" inmitten einer herrlichen Wallhecke während des letzten Kreisgsjahres entfernt werden, um einer Panzerabwehrstellung freies Schußfeld zu verschaffen. Dank gebührt nun Hans-Peter Friedrichsen und Günter Haupt vom Heimatverein Schortens und einigen Mitstreitern, die 1977 einen ca. 300 Jahre alten Eichenpfahl an die gleiche Stelle stellten, wo die alten Pfähle sich seit Jahrhunderten befanden. Der zweite Pfahl auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurde dort einige Zeit später im Wall aufgestellt.

Eine am Pfahl angebrachte Messingtafel trug folgende Inschrift:

Vresche Palen

- suther to there Wepelinge

Frislon | Engern

Go Riustri | Ammere Go

~ 800

Friesische Grenzpfähle

Hier standen seit dem Frühmittelalter
an vorgeschichtlicher Straße die friesischen
Grenzpfähle. Es galt friesisches Recht
bis zum Süden an die Wapel. In Kriegs-
wirren 1945 verschollen, wurde 1977
dieser Eichenpfahl zur Erinnerung an ein
großes Friesland von der Schelde bis
an die Weser durch Heimatfreunde
wiedererrichtet.

Was besagt nun die Inschrift? Hier, durch Kaiser Karl den Großen später bestimmt, ist seit mindestens 700 friesisches Land mit einer bis 1945 besonders aus den germanischen Volksstämmen der Chauken, (Nieder-)Sachsen und Friesen zusammengesetzten Bevölkerung. Die Grenzen des friesischen Gaues Hriustri oder Rüstringen: Im Osten die Niederweser; im Norden und Westen die Maade mit ihren Bächen; im Südwesten das Ammerland; im Süden das Moor mit der Wapel, die mit der Liene und dadurch mit der Weser in Verbindung stand.

"Vresche Palen" = friesische Grenzpfähle. Das altfriesische "suther to there Wepelinge" bedeutet soviel wie "südwärts bis zur Wapel". "Frislon, Go Ruistri" = Friesland, Gau Rüstringen. Zu Kaiser Karls Zeit lebten die Engern als Gruppe der (Nieder-)Sachsen im Engergau, dem mittleren Teil des alten (Nieder-)Sachsenlandes auf beiden Seiten der Weser, der das jetzige Oldenburger Land mit dem "Ammero Go" bis zur Wapel-Liene einschloß. Nördlich dieser Bäche wurde gemäß der "Altfriesischen Küren", dem Gesetzbuch, allein friesisches Recht gesprochen. Seit alters her galten die Friesen die Freien als Vorbild der Freiheit.

Leicht gekürzter Beitrag von Walter Ebeling, veröffentlicht im "Vareler Anzeiger" vom 3. Mai 1979

Inzwischen hatte die Witterung den Pfählen von 1979 stark zugesetzt, ein Pfahl war sogar umgestürzt.

Am Sonntag, 8. August 2004 wurden die beiden alten Grenzpfähle erneuert. Bauer (Klus) - Eilers hatte zugestimmt und Ewald Kuhlmann, Altjührden hatte zwei neue Eichenpfähle gestiftet, die von Hans-Gerd Wefer, Obenstrohe (1. Vorsitzender des Heimatvereins Conneforde) und Helfried Barghorn, Wiefelstede bearbeitet wurden. Der neue Pfahl an der Straße wurde wieder mit einem Messingschild versehen, damit jeder nachlesen kann, weshalb diese Pfähle dort stehen.