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De ole Wiespahl von Erich Janßen

 

Bloß de olen Minschen kennt mi noch. To de jüngern segg ick: "Mien Naam is Wiespahl." In Ooljühr'n bün ick in de Welt kamen, in Höltjer Stratmann siene Warkstä. Vorher weer ick eene ole, gesunne Eek. bannig ruug van buten, aver karnig van binnen. In Jan Kuhlmann siene Sageree bün ick at Wiespahl torecht snää'n wur'n.

At Vatter Stratmann mi in de Fingers kreeg, weer he furs an't mäten: dree Meter föftig sowat lang un föfteihn Zentimeter in'n Veerkant. Un denn gung dat los: Baben het he mi an all veer Sieden afschrägt un mi an disse Stä eene feine, hölten Mütz upsett't. Dorünner keem een Zierkranz, un wat wieder na ünnen noch een, uck van Holt, versteiht sick. Denn stemm he Löcker in mi herin, an dree Sieden, sowat'n halben Meter ünner de Mütz, un dor het he miene Arms herinpaßt. Dat weer'n Brää, twee Zentimeter dick un nägen breet, un jüüst so stäwig un lang at'n rejellen Keerls-Arm. An jeden En'n van de Arms kreeg ick eene Fuust mit'n dicken Wiesfinger. Un denn kreeg jeden Arm noch eenen Stüttpahl.

Tja, un denn keem Maler Degen van'n Braamloog un het fein mit egale Bookstaben up miene Arms pinselt: Varel 7 km. Seghorn 4,5 km, Spohle 3 km. At de Farv dröög weer, släpen Keerls van de Landgemeen Varel mit mi los na Jan Padeken siene Almsee'r Möhl'n, bloß at to de Tiet noch Boltjes de Kröger weer. Furs bi Kroog un Möhl'n, nich wietaf van'n Krüüzweg, dor drööm een Dreetimp mit Wall un Heide. Dor hebt de Keerls een Lock graavt un mi fein liek un stiftig up de Been stellt.

Nu stund ick dor also. Dat weer Sömmerdag, blau strahl de Heben äver mi, un in de witten Wulken herin klettern de Lerchen un sungen van haben up mi daal. Bold keem miene erste Kundschaft. Buur Eilert Eilers keem mit sien Rad van'n Spohl hergekrüdelt, un van anner Kant stävel een Wannersmann heran. Beide bleeben bi mi stahn un holl'n eenen Klöönsnack. De Wannersmann woll sick een spier rauh'n. He seet in de Heide, haal eenen Kniev Swartbrot ut sien Kostdook, un denn vertell'n Eilers un he van Worhen un Worher un wat allens so los weer in de Welt. Dorbi heb ick uplustert, dat ick an'n Frees'schen Heerpadd stund, de van Ollnborg äver Wiefelstä un Spohl an mi vörbigung na Neeborg hendaal un denn wieder in't Ostfrees'sche herin. Eilers vertell, dat de schöne Klinkerstraat van Ooljühr'n na Spohl nu teihn Jahr oolt weer. In't Jahr 1895 har'n se de Straat boot, un de ole Oekonomierat Wilken, de dotomal Gemeen-Vörsteher weer, har mit dat Geld väl to dohn, wiel dat de Buur'n so tuuk weer'n un för de Straat nich väl hergäben woll'n. De beiden Keerls har'n noch woll länger snackt. man do keem een scharpen Wind up un püster littje Wulken van fienen Sand dor de Luft un ähr twüschen de Tähn'n.

In miene ersten Deenstjahr'n weer nich alltoväl los. So har ick Tiet för Tier'n, Planten un för Minschen in ähreHeimat Langewiel heb ick nich kennt. Solang‘ dat hell weer, föhr'n de Ackerwagens, wor faken so schöne Ollnborger Päär vorspannt weer'n: Vörjahrs Meß na'n Kamp, sömmers de Frucht van't Feld un dat Heu van de Wischen, in'n Harvst föhr'n de Buur'n Törf van't Moor un Tüffeln un Röben van de Ackers. Dat gung tämlich still vör sick, bloß wenn de Spannwarken up de Klinkerstraaten herup keemen, denn rattern de lesenbänner mächtig up de Steen'n. To de Tiet sungen de Knechten noch achter'n Ploog un de Deern's bi ähr Wark.

Ja, dat ganze Minschenläben is an mi vörbiföhrt, de Hochtietskutsch' jüüst so at de buntmaakden Fedderwagens bi'n Schoolutflug oder bi Kinddööp oder uck. wenn een Minsch siene lesde Tour up disse Eer achter sick broch.

Nä. Langewiel het mi nich plaagt. Wo faken hebt de littjen Vagels bi mi up Mütz un Arms säten un hebt mi feine Leeder vörsungen. Oder se weer'n bloß so an't snötern. Kuckuck un Kiewitt schree'n, un de Himmelszääg mecker van baben dal. Väl van de Vagels, de in de erste Tiet bi mi to Gast weer'n, sünd laterhen utwannert. Dat weer to luut wur'n, un dat ganze Ümto pass ähr nich mehr. Af un to rauhn sick uck grode Vagels up mi. De Höhnerhaaw'k seet faken up mienen Kopp. Aver so um 1910 herum, do floog een Vagel heran, de weer so groot un swaar, dat ick em knapp drägen kunn. De swarde Gesell seet in de Schummertiet lang' bi mi, vertell wat mit'n deepe, grave Stim'm un is denn weg flaagen un siendaag nich woller kamen. Laterhen heb ick hört, dat weer de lesde Kolkrabe wäsen in use Heimat. Man wat ick noch vertell'n wull: In miene ersten Jahr'n sungen noch rund um mienen Kopp ümto, un uck ut Brauers Busch herut, de Nachtigall'n. Dör de lauen Sommernächten klung dat Fleit-Kunzert so rein un warm äver't wiede Land, at ick dat laterhen so wunnerschön siendaag nich woller hört heb. Eenmal stund een, de kien Plattsnacker weer, nächtens ünner miene Arms un sä to dat Frollein an siene Siet: "Dieser Gesang ist von der Tonart her »Seelen-Dur.« Nu sünd se al lang weg, de Nachtigall'n, bloß bi'n Möhlen-Diek, dor singt se noch.

Nu ward dat Tiet, dat ick van mienen goden Naber verteil, van de Wind-Möhl'n. Wo fliedig het se ähre Flögels dreiht! In miene erste Tiet keemen faken noch Buur'n mit Ossen vör'n Wagen un brochen de Frucht to mahlen. Ick denk an Buchens Geradd, de jo eenlichs Gerhard Kuhlmann heede un in de Kluus wahnde. un an Diedel Brand un sienen Naber Glindemeyer ut Grönenkamp. Uck bi Kempermann's Möhl'n up'n Plaggenkroog kunnst väl Ossen vor de Wagens sehn, aver uck, jüst at in Almsee, so mennig littjen Buur, de mit de Schuuvkaar ankeem. Päär geef dat uck, dat sä ick jo al, aver nich bi een Landmann mit wenig Ackers. Ja, de Almsee'er Möhl'n un ick! Wi beiden hebt utholen in Wind un Wäär, in Küll un Sneejagen just so at bi Rägen un grode Hitz, man ümmer van eene Jahrstiet in de annere herin. Mi het dat soväl nich utmaakt, man bloß de Möhl'n, de muß jo bi jeden Wind dat Kurn mahlen. Faken het se stähnt un gnarrt, un toles har se d'r noch knapp Moot to. Aver denn keem mal een gräsig Unwäär mit Storm un Gewitter. Do gung de ole Möhl'n in de Knee un is nich woller upstahn. Um de Tiet heb ick uplustert, dat se vor lange Jahr'n mal eenen Minschen mit ähre Flögels doot haut het.

So van 1930 an is de Welt um mi ümto umkrempelt wur'n, eers sinnig, un na 1950 heel flink, üp väle Sandwääg hebt se Steen'n packt oder swarden Asphalt. Wannerslüü geef dat bold nich mehr, un Radföhrders wur'n weniger. Auto's un Motorrää susen nu up de Straten langs un har'n dat Seggen. At de ersten keemen, verjoog ick mi. Naasten har ick mi dor an wähnt, wenn de Buur Hemmann Koring van'n Cunnfoor mit sienen »Opel P 4« ankeem oder de Veehkoopmann Heinrich Kuhlmann van'n Spohl mit sienen DKW. Bold susen soväl Blick-Kutschen, dat ick dor nich gägen kieken kunn. Een van de ersten Auto's weer een »Hansa«. De wur'n in Varel boot, un de ole Geheimrat Allmers wahnde uck dor un weer Präsident van den »Allgemeinen Deutschen Automobil-Club«. Famielje Brauer In Grönenkamp föhr'n mit so'n fein't Auto, un dat stund noch lang in sien Ünnerdack ünner de olen, hogen Bööm in Brauers Park.

Ja, de Benzinkutschen har'n nu dat Seggen bi Upstahn un Afgahn van de Minschen un bi välens, wat dor twüschen liggt an Leiden un Freiden. An de Stää van Päär keemen de Treckers, un de Lüüntjen keeken sick dumm an un kakeln, dat se nu kiene Haverkürn's mehr in de Päärappels finnen kunnen. Treckers gaht jo nich ut de Büx, de stinkt bloß achterut.

Nu weer uck kiene Buur'nfro mehr to sehn mit Holschen an de Fööt oder mit Jück un Körben up de Schullern, wenn se mit Botter un Eier na Varel to gungen. Ja, un denn mööt ick noch vertell'n van usen olen Jan Krey in Cunnfoor. Ick heb nich vergäten, at he mitten in de Auto-Tiet up eenen Ackerwagen an mi vörbiföhr', un stramme »Ollnborger« weer'n anspannt un brochen üm na sien lesde Ruh' na Varel hendaal. Väl Volk leep achteran, un up den Wagen leeg he mit Ploog un Egg', de schull he mitnähmen, dat he günssiet wiederackern kunn. Ick wurd ümmer öller. Wind un Wäär kunnen mi nix andoon. Aver mit de Auto's keem uck »Konkurrenz« för mi. Ick wurd al lang nich mehr ankäken, bloß at Motiv för de Knipsers weer ick noch wat weert. För den »Kraftverkehr« stellen de Keerls van de Straatenmeisteree grode, gäle Schiller mit swarde Bookstaben up korde Bee'n an de Straat langs. Blikk keem för Holt an de Stää.

De Frees'sche Heerpadd weer al lang Straat wur'n, eers small mit Beton-Stee'n, denn breed mit'n gladde Bahn to föhr'n. Nu susen egalweg de Auto's an mi vörbi. Een paar Jahr heb ick dat noch ankäken. Do keemen een's Daags de Keerls van de Stratenmeisteree un hebt mi utgraavt un wegföhrt. At ick up'n Boohoff in eene düster Eck stund to grüveln äver mien unnütze Öller, do keem een Buur un het mi köfft. He het mi up't Achterland at Heckpahl henstellt. Hier, twüschen Wischen un Ackers, un den Busch nich wietaf, heb ick nu so'n fein't Wiespahl-Rentnerläben, un de littjen Vagels sünd woller bi mi un singt de schönsten Leeder. Hasen un wille Knienken springt um mi ümto, de Reh kaamt ut Brauers Busch, un Rebhöhner just at Fasanen sünd hier to Huus. Voss un Dachs schüürt ähren Puckel an mi, un dat is allens just at in miene ersten Jahr'n, Ick kann noch väle Jahr'n ahne Langewiel miene Deensten dohn, un allens is god. Bloß mienen olen, troen Naber, de Windmöhl'n, de troor ick äverlangs noch na.

 

 

 

Erich Janßen

wurde am 25. März 1907 in Rüstringen geboren und verlebte seine Kindheit in Zetel und Neuenburg. Schon als Schuljunge schrieb er Artikel für Tageszeitungen. Seine vielseitigen beruflichen Tätigkeiten, bei denen er Land und Leute kennenlernte, waren für seine schriftstellerischen Aktivitäten von großem Nutzen. Ab 1946 war er als Journalist für den Raum Varel, Varel-Land und Friesische Wehde 35 Jahre lang für die Nordwest-Zeitung tätig. Literarische Veröffentlichungen erfolgten in den Nordwest-Zeitungs-Beilagen "Leuchtfeuer" und "Nordwest-Heimat" sowie in "De plattdüütsch Klenner".

Seit 1962 war Erich Janßen Mitglied des Oldenburgischen Schrieverkrings. Er galt als ein ausgezeichneter Kenner der plattdeutschen Sprache und des niederdeutschen Brauchtums.

Die Erzählung "De Füürmester von Zittjeputt" wurde von Radio Bremen gesendet.

1982 erhielt Erich Janßen die silberne "Spieker-Ehrennadel" beim "Schrieverkring-Warkeldag" in Neuenburg von "De Spieker" - "Heimatbund für Niederdeutsche Kultur e.V.

Erich Janßen verstarb im März 1984 in Oldenburg.

 

 

 

 

"De ole Wiespahl" ist die Titelgeschichte des Buches "De ole Wiespahl" von Erich Janßen, das 1982 im Ostendorp-Verlag, Rhauderfehn erschien.

Kurz nach Erscheinen las Erich Janßen für die Mitglieder des Heimatvereins Conneforde im "Spohler Krug" in Spohle aus seinem neuen Buch.

An diesem Abend trugen Männer des Heimatvereins Conneforde eine genaue Nachbildung des alten Wegweisers in den Saal des "Spohler Krug", der dann am darauffolgenden Sonntag in Almsee am alten Platz in Gegenwart von Henny und Erich Janßen und den Bürgermeistern und Gemeindedirektoren von Varel und Wiefelstede aufgestellt wurde.

Die Idee zum neuen Wegweiser hatte "Spieker-Baas" Jürgen Hennings. Spontan stiftete Karl Flömer einen passenden Eichenstamm, aus dem Ewald Kuhlmann den neuen Wegweiser sägte. Die weitere Bearbeitung übernahmen Egon Schröder und Gerd Janßen.

An der Straße (L 819) von Spohle – Conneforde nach Altjührden, links am Abzweig (K 104) nach Plaggenkrug - Seghorn steht der Wegweiser heute noch und beobachtet, wer wohl alles an ihm vorbeifährt.